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Impfungen: Pferdegrippe (Hoppegartener Husten)

Von Dr. Kerstin Fey, Fachtierärztin für innere Medizin an der Medizinischen und Gerichtlichen Veterinärklinik der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Für die sogenannte Pferdegrippe (auch: Hoppegartener Husten) sind Influenzaviren verantwortlich. Diese sind zwar verwandt mit dem Erreger der menschlichen Influenza, aber glücklicherweise sind (noch) keine Ansteckungen von Pferd auf Mensch (und umgekehrt) vorgekommen. Viren brauchen grundsätzlich für ihre Vermehrung lebende Körperzellen. Sie dringen in diese ein und benutzen deren Stoffwechsel für ihre eigene Vermehrung: Die befallene Zelle produziert neue Viruspartikel und setzt sie frei. Husten, Nasen- und Augenausfluss sorgen für eine rasche Verbreitung der sich in der Schleim-haut von Nase, Rachen aber auch tiefen Atemwegen vermehrenden Grippeviren. Allerdings kommt es auch vor, dass infizierte Pferde Influenzaviren ausscheiden, ohne dass Krankheitssymptome offen-sichtlich sind: Entweder, weil die Pferde geimpft sind und sich das Virus nur in relativ geringen Mengen vermehren kann, oder weil sich die Krankheitszeichen (also die Abwehrreaktion des Körpers gegen die viralen Eindringlinge) erst noch entwickeln. Gerade diese Virusausscheidung ohne klinische Symptome ist für Nicht-Geimpfte besonders gefährlich: hier reichen schon kleine Virusmengen, um die Krankheit voll zum Ausbruch kommen zu lassen. Und dann werden so große Virusmengen ausgeschieden, dass auch bei Geimpften Symptome ausgelöst werden können. Daher auch die Impfvorschrift der FN, die zumin-dest für Turnierpferde nach Grundimmuni-sierung Wiederholungsimpfungen möglichst alle sechs Monate, längstens aber neun Monate nach der vorherigen Impfung, vorsieht. Die Ansteckung erfolgt in der Regel als Tröpfcheninfektion und schon nach zwei bis drei Tagen können alle nicht immu-nisierten Stallgenossen außer Gefecht gesetzt sein – angeblich bleibt das Virus in einem ausgehusteten Tröpfchen über 35 Meter Entfernung infektionsfähig. Die Pferde leiden typischerweise plötzlich unter hohem Fieber (über 39,5°C), Husten und mangelndem Appetit. Auch wenn die Erkrankung abklingt, ohne dass sich Bakterien in der durch die Viren vorgeschädigten Schleimhaut festsetzen können, bleiben die körpereigenen Reinigungsmechanismen der Lunge für gut vier Wochen geschädigt. Werden die Pferde zu früh wieder gearbeitet (empfohlen wird pro Tag mit Fieber je eine Woche Ruhe), so bleiben oft dauerhafte Erkrankungen der Atemwegen zurück. Weiter können Muskelschäden (auch im Herzen) Folge einer Influenza-Infektion sein und zu Leistungseinschränkungen führen. Also sind Schutzimpfungen gegen Influenza nicht nur angezeigt, weil Veranstaltungen durch sogenannte Grippewellen gefährdet sind, sondern eben auch weil die erforderliche wochenlange Schonung und gleichwohl möglichen langwierigen Folgen dadurch vermieden werden können. Zugegeben, Influenzafälle oder gar Seuchenzüge werden in Deutschland seit Jahren kaum noch gesehen.

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Fieber, Nasenfluss und Husten sind die Hauptsympthome bei infektiösen Erkrankungen der Atemwege. Gegen die wichtigsten virusbedingten Infektionskrankheiten schützen Influenza- und Herpesvirus-Impfstoffe

Foto: Uni-Klinik Gießen

Muss man dagegen wirklich noch impfen?

Eine Frage, die mit einem klaren JA beantwortet gehört. Auch unsere Pferde kennen ja keine Grenzen mehr und sowohl in Europa als auch in Nordamerika gibt es Länder mit jährlich wieder auftretenden Influenza-Ausbrüchen. Wahrscheinlich ist die erfreuliche Seltenheit solcher Fälle bei uns mit der relativ hohen Impfmoral zu begründen und als Erfolg dieser Schutzmaßnahmen zu werten – das Influenzavirus hält sich nicht an Ländergrenzen und wird sich auch nicht ausrotten lassen.

Auf diesen letzten Punkt möchte ich noch etwas ausführlicher eingehen: Aus der Humanmedizin wird Ihnen vielleicht geläufig sein, dass gerade Influenzaviren in immer neuen Typen und Variantenauftreten und eigentlich jedes Jahr ein neuer Impfstoff benutzt werden muss, damit beim Menschen ein guter Impfschutz erreicht werden kann. Dagegen war beim Wundstarrkrampf seit Jahrzehnten keine Veränderung in der Impfstoffzusammensetzung notwendig. Wie schaffen es also die Influenza-Viren, Mediziner und Hersteller so auf Trab zu halten? Aus Platzgründen beschränke ich mich dabei im Folgenden auf den bei den Pferde-Influenzaviren wichtigsten Trick, den Abwehrmechanismen ihrer Wirte zu entgehen (die für den Menschen gefährlichen Influenzaviren sind noch gewiefter und verändern sich rascher). Erinnern Sie sich? Die vom Impfling gebildeten Antikörper richten sich immer ganz spezifisch gegen einzelne und recht kleine Strukturen des Erregers – eben lediglich gegen die sogenannten Antigene und nicht gegen den Keim insgesamt. Antigene besitzen unterschiedliche Immunogenität, das heißt, sie bewirken unterschiedlich starke Reaktionen des Abwehrsystems. Die Stärke der Reaktion wird meist durch die Konzentration der gebildeten, spezifischen Antikörper im Blut gemessen. Grundimmunisierung und Wiederholungsimpfungen frischen zum einen das immunologische Gedächtnis auf und bewirken zum anderen eine bessere Antwort des Immunsystems auch auf weniger immunogene Erregerbestandteile. Bei den Influenzaviren lösen ganz bestimmte Areale von zwei oberflächlich auf dem Virus gelegenen Molekülen (namentlich Neuraminidase und Hämagglutinin) die hauptsächliche Antikörperbildung aus. Die genaue Zusammensetzung dieser beiden Moleküle wird auch bei Viren durch bestimmte Teile in ihrer Erbsubstanz (den entsprechenden Genen) vorgegeben. Den Influenzaviren kann es nur recht sein, dass sich ausgerechnet die Gene, die die für ihre Abwehr durch den Wirt so wichtigen Abschnitte auf den Oberflächenmolekülen bestimmen, von Vermehrungszyklus zu Vermehrungszyklus verändern. Zunächst nur in einem kleinen Teil der Nachkommen und fast unmerklich. Hauptsache für die Viren ist, dass die eigentliche Funktion der beiden Moleküle – Anheftung und Eindringen in die Körperzellen – erhalten bleibt. Doch schließlich führen die Änderungen im viralen Erbgut zur veränderten Struktur der entscheidenden Antigene: Die durch Impfung erzeugten Antikörper können nicht mehr an sie binden – gegen die neue Virusvariante besteht also keine Immunität, der Impfstoff muss den neuen Strukturen angepasst werden. Diese so dahergesagte Forderung ist nun nicht gerade einfach zu erfüllen. Denn neben den rein technischen Problemen müssen die Impfstoffhersteller Wirksamkeit und Verträglichkeit immer wieder testen und vom unabhängigen Paul-Ehrlich-Institut prüfen lassen. Bis ein angepasster Impfstoff für die Tiermedizin zur Verfügung stand vergingen oft Jahre – und das Influenzavirus entwickelt sich währenddessen natürlich weiter. Glücklicherweise verändern sich die Pferde Influenzaviren deutlich langsamer als die den Menschen Infizierenden. Auch verliert der „alte“ Impfstoff ja nicht plötzlich völlig seine Wirksamkeit – die bislang üblichen Virusvarianten kommen ja auch weiterhin vor und gerade bei regelmäßig erfolgten Auffrischungsimpfungen erkennt die Abwehr ja auch immunologisch nicht so wirksame, aber gleich gebliebenen Antigene. Daher muss man nicht gegen jede neue Variante wieder eine Grundimmunisierung durchführen. Voraussichtlich wird aber auch in Zukunft eine Anpassung der Influenza-Impfstoffe für Pferde alle fünf bis zehn Jahre erfolgen müssen. Immerhin ist das erforderliche Zulassungsverfahren für solche der neuen Situation angepasste Impfstoffe inzwischen deutlich verkürzt worden

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